Functional Sizing

Functional Sizing, kurz FS, ist der modernere Oberbegriff für Bewertungsverfahren wie die Function-Point-Analyse. Man hat damit versucht, sozusagen ein Dach für die verschiedenen „Sizing“-Ansätze in der Softwareentwicklung zu schaffen.

Der Begriff Functional in FS wird leicht missverstanden, ein Problem, dass auch im Zusammenhang mit Function-Points leider immer wieder auftaucht: Functional meint hier den Zweck oder die Aufgabe, hat also mit dem in der Softwareentwicklung gebräuchlichen Begriffen Funktion oder Funktionales Design nichts zu tun. Es geht also nicht um die Bewertung von Funktionen, sondern des Zwecks oder der Aufgaben, die eine Software erfüllt. Andere nennen das auch einfach „Anforderungen“. FS ist also nichts anderes, als die Bewertung des Umfangs von Anforderungen an Software.

Von der formalen Seite her ist Functionals Sizing als ISO-Standard ISO/IEC 14143 definiert. Dieser Metastandard hat selbst keine Bedeutung für die Praxis, sondern definiert, welche Anforderungen Standards zum Functional Sizing erfüllen müssen. Insgesamt sind heute fünf verschiedene FS-Standards als ISO-Standard hinterlegt:

  • IFPUG Functional size measurement method – ISO/IEC 20926:2009, vulgo: Function Point Analysis (FPA)
  • COSMIC Functional size measurement method – ISO/IEC 19761:2003, vulgo: Full Function Points (FFP)
  • MK II Function Point Analysis – ISO/IEC 20968:2002
  • NESMA Function Points – ISO/IEC 24570:2005
  • FISMA Function Points – ISO/IEC 29881:2010

Es gibt auch FS-Verfahren, die nicht formal standardisiert sind, wie etwa die Use Case Points (UCP), von denen es im wesentlichen zwei Versionen gibt (Kerner, Frohnhof).

Jetzt kann und sollte man die Unterschiede, Vor- und Nachteile und Anwendungsgebiete dieser Verfahren natürlich diskutieren. Andererseits: In der Praxis ist das wesentliche Kriterium für eine Entscheidung natürlich die Verbreitung am Markt, denn letztlich sollen die mit der Bewertung gewonnenen Ergebnisse ja mit anderen Unternehmen und Projekten verglichen werden.

Hier hat die „klassische“ FPA ganz sicher die Nase weit vorn. In einzelnen Anwendungsbereichen kann COSMIC eine Alternative sein. Im deutschsprachigen Raum spielen dagegen die drei nationalen Derivate (MKII – Großbrittanien, NESMA – Niederlande, FISMA – Finnland) überhaupt keine Rolle.

Story Points gehören trotz ihres ähnlich klingenden Namens übrigens nicht in die Klasse der Functional-Sizing-Verfahren. Sie dienen im Rahmen des SCRUM-Prozesses ausschließlich der Team-internen Aufwandsschätzung für einzelne Sprints.


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